Der Mädchen- und Frauenfußball beim TSV Lustnau

I. Die Anfangsjahre 2005–2009

Der Mädchenfußball beim TSV Lustnau begann im Frühjahr 2005. Damals fragten Jule Kramer und einige ihrer Freundinnen, damals 10 Jahre alt, den Vater von Jule, ob er nicht mit ihnen ein Mädchenfußballteam aufbauen wolle. Die Mädchen hatten natürlich nicht irgendeinen ihrer Väter gefragt, sondern Reinhold Kramer, der in den 80er-Jahren für den SSV Ulm in der Zweiten Bundesliga gekickt hatte, Diplomsportlehrer und Jugendtrainer beim TSV Lustnau. Der fand sofort Gefallen an der Idee und bot schon kurze Zeit später ein Mädchentraining auf dem Lustnauer Sportplatz an. Dieses Angebot sprach sich schnell herum, denn Mädchenfußball hatte es bis dahin nur in den Tübinger Teilorten Derendingen und Unterjesingen gegeben. Und so konnten schon zur Saison 2005/06 zwei D-Juniorinnen-Teams für die Kreisstaffel gemeldet werden. Einige der Spielerinnen von damals sind bis heute dabei: Natalie Hiller, Jule Kramer, Angelika Oswald und Mira Roth. In jener ersten Saison mussten die Anfängerinnen noch Lehrgeld bezahlen und so belegten beide Teams in ihren Staffeln jeweils den vorletzten Platz. Doch schon im zweiten Jahr änderte sich das Bild und die Mädchenteams bogen auf die Erfolgsstraße ein. Team I wurde in der Saison 2006/07 Staffelmeister und Team II in seiner Staffel Zweiter. In der Saison 2007/08 konnte erstmals ein C-Juniorinnen-Team gemeldet werden. Diese sehr junge Mannschaft konnte in ihrer ersten Saison immerhin einen achtbaren vierten Platz belegen. Das bereits etablierte D-Juniorinnen-Team wurde dagegen seiner Favoritenrolle gerecht und errang ohne Punktverlust mit 194:2 Toren souverän die Staffelmeisterschaft. Auch in der Saison 2008/09 wurden wieder ein D-Juniorinnen- und ein C-Juniorinnen-Team gemeldet. Beide Teams spielten überragend und gewannen in großartiger Manier ihre jeweiligen Staffeln: die D-Juniorinnen mit 105:22 Toren in 16 Spielen, die C-Juniorinnen mit 178:12 Toren in 14 Spielen.Trainer waren in jenen Jahren Reinhold Kramer, Norbert Wellhäuser, Anna Jähn und Julia Hallanzy. Die Spielerinnen kamen damals mehrheitlich direkt aus Lustnau, aber auch aus dem gesamten Tübinger Stadtgebiet sowie aus den Nachbarorten wie Kirchentellinsfurt oder Pfrondorf.

II. Die Jahre in der B-Juniorinnen-Verbandsstaffel 2009–2012

Die großen Erfolge der Saison 2008/09 warfen die Frage auf, in welcher Spielklasse die Lustnauer Mädchen in der kommenden Saison auf gleichwertige Gegnerinnen treffen könnten. Und so entschloss man sich, für die Saison 2009/10 ein Team für die B-Juniorinnen-Verbandsstaffel Süd zu melden. Um einen konkurrenzfähigen Kader zu haben, wurden die C-Juniorinnen in den B-Juniorinnen-Kader integriert. Daneben gab es lediglich ein neu gebildetes D-Juniorinnen-Team, das in seiner Kreisstaffel aber nur den letzten Platz erreichen konnte. Die B-Juniorinnen schlugen sich dagegen gegen die württembergische Konkurrenz prächtig und landeten in ihrer ersten Saison auf dem achten Tabellenplatz. In der Saison 2010/11 traten die B-Juniorinnen wiederum in der Verbandsstaffel an und konnten diesmal immerhin den vierten Platz belegen. Die C-Juniorinnen mussten sich dagegen in der Kreisstaffel mit Platz 11 begnügen. Die Saison 2011/12 verlief ähnlich: Die B-Juniorinnen erreichten in der Verbandsstaffel Süd den 5. Platz, die C-Juniorinnen kamen dagegen in der Kreisstaffel über den letzten Platz nicht hinaus. In diesen drei Jahren bestand das Trainerteam aus Reinhold Kramer, Norbert Braun, Norbert Wellhäuser und Frieder Erne. Während die erste Generation von Spielerinnen in der B-Juniorinnen-Verbandsstaffel recht erfolgreich spielte, stellten sich bei den jüngeren Teams (noch) keine Erfolge ein.

III. Die ersten Jahre mit Aktiventeam und eigener Abteilung 2012–2015

Mit dem Ende der Saison 2011/12 hatten viele Spielerinnen die B-Juniorinnen-Altersgrenze erreicht, sodass für die Saison 2012/13 erstmals eine Aktivenmannschaft gebildet werden konnte. Damit war eine neue Situation eingetreten, die nach einer neuen Organisationsform rief. So wurde am 25. Mai 2012 eine eigene Damenfußballabteilung im TSV Lustnau gegründet. Gottfried Erne übernahm die Leitung der Abteilung und hat sie bis heute inne, dasselbe gilt für Schriftführer und Kassenwart Klaus Roth sowie für Pressewart Wolfgang Oswald. Sportlich war die Saison 2012/13 eher eine Ruhephase nach stürmischen Jahren. Nach der Spielordnung des Württembergischen Fußballverbandes müssen Vereine, die erstmals eine Aktivenmannschaft melden, in der untersten Liga antreten. Das war in diesem Fall die Bezirksliga Alb, in der es aber für die Spielerinnen, die in der Saison zuvor noch in der B-Juniorinnen-Verbandsstaffel gespielt hatten, keine Konkurrenz gab. Die Lustnauer Frauen gewannen alle Spiele und wurden mit 100:11 Toren souverän Meister (lediglich ein Spiel wurde nachträglich wegen eines ungültigen Spielerinnenpasses als verloren gewertet). Zudem gewannen die TSV-Frauen den Bezirkspokal mit 2:1 gegen den FC Römerstein. Daher trat das Aktiventeam in der Saison 2013/14 in der nächsthöheren Spielklasse, der Regionenliga 5, an. Die Mannschaft erreichte am Saisonende einen etwas enttäuschenden 5. Platz, nahm aber zum ersten Mal am Pokal des Württembergischen Fußballverbandes (wfv-Pokal) teil. Dort schied man zwar schon in der ersten Runde aus, aber im Bezirkspokal erreichte man immerhin das Viertelfinale. Doch schon in der nächsten Saison 2014/15 sollte alles besser werden. Die Lustnauer Frauen errangen die Vizemeisterschaft in der Regionenliga 5 und damit die Berechtigung, an den Aufstiegsspielen zur Landesliga teilzunehmen. Der TSV gewann beide Spiele und war somit in die Landesliga aufgestiegen. Zudem erreichten die Frauen zum zweiten Mal nach 2013 das Finale um den Bezirkspokal, das sie allerdings unglücklich gegen den Dauergegner FC Römerstein verloren. Hinzuzufügen ist noch, dass in diesen Jahren regelmäßig D- und C-Juniorinnenteams gemeldet waren, in der Saison 2014/15 zudem ein B-Juniorinnen-Team. Alle diese Mannschaften spielten ihrer jeweiligen Kreisstaffel und schlugen sich durchweg achtbar, ohne allerdings einen Meistertitel erringen zu können. Trainer waren in jenen Jahren Reinhold Kramer, Norbert Braun, Manuel Braun, Raphael Vetter und Frieder Erne.

IV. Die Jahre im mittleren Amateurbereich ab 2015

Die Saison 2015/16 war die erste in der Landesliga 2, die den Süden des Verbandsgebietes abdeckt, aber bereits recht erfolgreich. Die TSV-Frauen landeten auf dem dritten Platz – erst im letzten Spiel beim Meister SV Eutingen wurde der Aufstieg verspielt. Im wfv-Pokal musste man dagegen in der zweiten Runde gegen den Stadtkonkurrenten und damaligen Regionalligisten TV Derendingen passen. Sehr erfolgreich waren dafür die B-Juniorinnen, die sowohl die Kreisstaffel als auch den Bezirkspokal gewannen. Auch die C- und die D-Juniorinnen erreichten in ihren Staffeln obere Tabellenplätze. Die Saison 2016/17 war die zweite und zugleich (vorerst?) letzte in der Landesliga. Die Lustnauer Frauen holten sich den Landesligatitel mit 11 Punkten Vorsprung und hatten sich schon einige Wochen vor Saisonende den Aufstieg in die Verbandsliga Württemberg gesichert. Im wfv-Pokal scheiterte man im Viertelfinale wiederum am TV Derendingen, diesmal jedoch denkbar knapp mit 2:3. Die B-Juniorinnen wurden nach der Meisterschaft im Vorjahr immerhin Dritte in der Kreisstaffel. Die C-Juniorinnen beendeten ihre Punkterunde zwar nur auf dem sechsten Platz, erreichten dafür aber das Bezirkspokalfinale, das man gegen den SV Unterjesingen allerdings deutlich verlor. Damit war die Saison 2016/17 die erfolgreichste der Damenfußballabteilung des TSV Lustnau.

* * * Das Aktiventeam hat in diesen Jahren sein Gesicht deutlich verändert, denn seit dem Aufstieg in die Landesliga und erst recht nach dem Aufstieg in die Verbandsliga ist Lustnau zu einer gefragten Adresse bei guten Spielerinnen geworden. Heute stehen in den Reihen der Lustnauer Frauen Fußballerinnen, die bereits in der Zweiten Bundesliga, in einer Regionalliga oder in der B-Juniorinnen-Bundesliga gespielt haben. Daneben gibt es aber auch die Spielerinnen, die vor Jahren in der eigenen Jugend angefangen haben, und solche, die in jüngster Zeit den Übergang von den B-Juniorinnen zu den Aktiven geschafft haben. Um diesen Übergang von den B-Juniorinnen zu den Aktiven besser gestalten zu können, wurde für die Saison 2017/18 neben dem Verbandsligateam erstmals ein zweites Aktiventeam gemeldet, das mit Manuel Braun als Coach in der Bezirksliga antritt. Daneben gibt es weiterhin B-, C- und D-Juniorinnenteams. Das Trainerteam der Aktiven besteht aus Reinhold Kramer, Norbert Braun, Raphael Vetter und Manuel Braun. Die drei Juniorinnenteams werden jeweils von zwei Trainern bzw. Trainerinnen betreut. Alle Teams von den D-Juniorinnen bis hin zur ersten Aktivenmannschaft praktizieren eine einheitliche Spielphilosophie, die auf einer ausgeprägten taktischen und technischen Schulung der Spielerinnen beruht. Ballkontrolle, Kurzpassspiel, geordnete Raumaufteilung, hohes Pressing – das alles wird von den Jugendteams an in jedem Training geübt und bildet mittlerweile ein vor allem im Spiel der ersten Mannschaft sofort erkennbares Markenzeichen des Lustnauer Frauenfußballs.